Corona-Schnelltest in der Praxis – Junges Paar führt den Selbsttest durch – Sicher oder Geldmache?

In verschiedenen Onlineshops werden aktuell Corona-Schnelltests angeboten - doch wie genau sind diese Tests? - und liefern sie wirklich gute Ergebnisse? - wir haben selbst einige Tests bestellt und einen Selbsttest bei einem jungen Paar durchgeführt - beide waren negativ - Janina im Oton: "Ich dachte tatsächlich, dass ich es schon gehabt hätte, weil ich am Anfang der Corona Zeit eine kleine Erkältung hatte" - als Experten haben wir noch einen Facharzt um Rat gefragt: "Wenn man sich auf diesen Test zu 100 Prozent verlassen sollte, vor allem in der Frühphase einer Infektion, das halte ich tatsächlich für grobfahrlässig. Man kann sehr stark ansteckend sein und dieser Test kann trotzdem ein negatives Ergebnis zeigen."

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Ort: Regensburg, Bayern, Deutschland

Derzeit kann man in vielen Onlineshops- und Apotheken Schnelltests für Covid-19 kaufen. Sie sollen anzeigen, ob man bereits eine Corona-Infektion durchlaufen hat, also bereits Antikörper gebildet (positives Testergebnis) oder noch keine Antikörper gebildet hat und so ein negatives Ergebnis bekommt; und laut Packungsbeilage somit noch nicht mit Corona infiziert war. Die Schnelltests kosten derzeit zwischen 20 und 50 Euro.

Bei den Tests gibt es zwei Arten: Antikörper- und Antigentests. Beide können in der aktuellen Corona-Krise eine entscheidende Rolle spielen, da mit ihnen geklärt werden kann, wie groß der Teil in der Bevölkerung ist, der sich schon unbemerkt mit dem Corona-Virus infiziert und die Erkrankung durchlaufen hat. Denn nach einer Infizierung bildet der Körper entsprechende Antikörper, die dann über den Test nachgewiesen werden können. Bei den im Netz angebotenen Schnelltests, handelt es sich um Antikörpertests. Sie sollen eine mögliche Immunität nachweisen. Hersteller werben mit einer Genauigkeit von 98,2 Prozent, was beim Käufer eine gewisse Sicherheit auslöst.

Doch trotzdem sollte man skeptisch bleiben, warnen Experten wie Facharzt Guido Judex: “Dieser Test ist nicht dafür geeignet, dass man sich zurücklehnen kann, wenn man vielleicht irgendwo keinen Abstrich bekommen hat und man einfach schnell dieses Ergebnis haben will.

Wir haben dennoch im Internet einige dieser Antikörpertests bestellt und ein junges Paar den Selbsttest machen lassen. Janina und Raphael Holfeld, Anfang und Mitte 20, und seit Ende letzten Jahres verheiratet. “Ich hatte im Januar schon mal eine recht starke Erkältung; da weiß man dann natürlich nicht, hast du jetzt vielleicht Corona oder nicht”, erzählt uns Janina. Umso gespannter waren beide natürlich auf die Testergebnisse. Wir sind bei Ihnen Zuhause im Wohnzimmer. Die Beiden packen den Test aus, lesen sich kurz die Packungsbeilage durch. Dann geht’s auch schon los. Der Test an sich ist kein Hexenwerk. Mit einem Alkoholtupfer wird der Finger desinfiziert, mit einer Stechhilfe und einem kleinen Picks, dann ein Loch in die Fingerspitze gestochen, sodass von dort per Pipette ein Tropfen Blut abgenommen werden kann. Dieser kommt dann auf das Testfeld des Schnelltests. Zum Blut kommen noch zwei Tropfen von der mitgelieferten Puffer-Lösung und das war es auch schon. Jetzt heißt es warten. Rund 10 bis 20 Minuten dauert es, bis der Test ein klares Ergebnis zeigen soll. Schon nach kurzer Zeit wird klar, beide Tests sind negativ. Das zeigt eine farbige Linie im Bereich C der Testkassette. Somit sollen sowohl Janina, als auch Raphael das Virus noch nicht gehabt haben. “Ich habe mir den Test bestellt, weil ich in einem Gewerbe arbeite in dem ich viel mit Kunden zu tun habe und dann hat es mich halt einfach interessiert. Und so lief das jetzt eigentlich relativ entspannt ab; kurzer Piecks und das Thema war schnell erledigt. Ich war tatsächlich ein wenig überrascht, weil ich im Bekanntenkreis jetzt doch viele Erkältungsfälle hatte, wo jetzt keiner so wirklich wusste, was ist jetzt wirklich los. Und da habe ich gedacht, einer von den vielen Fällen wird es gehabt haben und mich auch angesteckt haben. Aber scheinbar doch nicht; ich bin positiv überrascht.”, erzählt Raphael.

Das Testfeld ist einfach aufgebaut; zeigt drei Testbereiche:

– C (steht für ein negatives Ergebnis, sprich noch keine Antikörper im Blut)

– IgG (ist der Hauptanteil der Antikörper im Blut, sprich eine Infektion kann schon länger zurück liegen)

– IgM (sind Antikörper der „primären“ Immunantwort, das heißt, bei erstmaligem Kontakt mit einem bestimmten Krankheitserreger)

Momentan gibt es für Corona-Schnelltests noch keine einheitlichen Qualitätsstandards. Jeder Hersteller darf seine Tests bis zum Mai 2022 selbst zertifizieren. Grund ist eine Übergangsfrist einer EU-Verordnung, unter die solche Antikörper Schnelltests fallen. Erst danach müssen die Produkte von einer unabhängigen Stelle zertifiziert werden. Fazit: Privatpersonen wird von Corona-Schnelltests, wie man sie derzeit bei vielen Onlinehändlern erwerben kann, abgeraten. Dieser Meinung ist auch Arzt Guido Judex: “Wenn man sich auf diesen Test zu 100 Prozent verlassen sollte, vor allem in der Frühphase einer Infektion, dass halte ich tatsächlich für grobfahrlässig. Ich kann sehr stark ansteckend sein und dieser Test kann trotzdem ein negatives Ergebnis zeigen. Der Fremdschutz ist immer in den Vordergrund zu stellen.” Es lässt sich weder mit Sicherheit feststellen, ob man schon eine Corona-Infektion durchlaufen hat, noch kann man ausschließen, ob man gerade an dem Virus erkrankt ist oder nicht. Auf gar keinen Fall sollte man nach einem positiven Ergebnis fahrlässig werden und jegliche Schutz- oder Abstandsregeln außer Acht lassen.

Wer Symptome hat, sollte daheim bleiben und die entsprechenden Stellen informieren. Diese entscheiden dann, ob man getestet wird oder nicht. Wer keine Symptome hat, sollte sich an die derzeit geltenden Beschränkungen halten.

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